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Meines Erachtens, ein Blog für Beiträge zum Thema Friedhof, Trauer, Friedhofskultur in Frankfurt am Main

Lehrgeld auf dem Friedhof

me grafik lehrgeld 1 250x183Hätte nie gedacht, daß ich einmal von einem Bettler über's Ohr gehauen werde. Was ist passiert? 

An einem Nachmittag während des Besuchs auf dem Hauptfriedhof sprach mich ein 56 jähriger Mann an und fragte nach der Uhrzeit. Nach meiner Antwort setzte er das Gespräch fort, indem er sagte er müsse sich sputen aus dem Friedhof zu kommen, um zum Bahnhof zu eilen. Leider sei ihm sein Fahrrad auf dem Friedhof gestohlen worden, was er kurz bei der Grabpflege aus den Augen gelassen hatte. Zudem sei auch noch seine Tasche mit Ausweisen und Geld weg. Ob ich ihm wohl 11,50 Euro für die Bahnfahrt geben könnte, diese Bitte kam in einem Atemzug. Zuerst war ich nicht bereit, weil ich meinem Gegenüber das nicht so recht abnahm. Meine Nachfrage, ob er den Diebstahl nicht melden wolle, sagte er, das sei schon geschehen und die Friedhofsverwaltung könne ihm nicht weiter helfen. Das Fahrziel hatte der Mann mit Marburg angegeben und weil ich auch eine Beziehung zu dieser Stadt habe, hörte ich weiter zu.
Er kannte die gleichen Lokale in Marburg wie ich, sah in den letzten Tagen einen Film über Marburgs Musikszene, wo ich als Darsteller auch eine Rolle darin spielte und es zeigte sich, daß er Musiker ist. Spätestens hier wandelten sich meine Bedenken in Mitleid. Und weil ich die Musikerszene von Marburg in einer eigenen Homepage aufarbeite, hatte mein Gewissen nun gar keine Einwände, ihm das Geld zu leihen, nachdem er auch versprach den Betrag am nächsten Ersten wieder an mich per Post zu schicken. Ich machte, weil alles so persönlich wurde, noch ein Foto von ihm und gab ihm nicht nur das Fahrgeld sondern noch etwas mehr - es waren 25 Euro.
Auf meinem Heimweg kamen meine Zweifel erneut, und ich erzählte zuhause meiner Frau die Geschichte. Ich hätte alles richtig gemacht, sagte sie und meinte, wenn ein Mensch in Not ist, dann soll man helfen. Zudem, wenn man mehr von ihm weiß, als nur die Beschreibung seiner Notlage.me grafik lehrgeld 2 182x220
Es sollte alles anders kommen: Natürlich kam kein Geld zurück. Und das tollste, der "Typ" sprach mich - Wochen später - ein zweites Mal an. Natürlich sind auch hier Ausreden parat gewesen, warum er mir das geliehene Geld nicht zurück schickte.
Diesmal sei in Marburg seine Wohnung aufgebrochen worden und alles, was wertvoll war, sei gestohlen. Jetzt versuchte er Geld für eine neue Gitarre zu erbetteln, denn die sei auch weg und er verdiene im Moment nur sein Geld mit der Musik. Und ohne Gitarre kein Verdienst. - Ich konnte mich nicht überwinden, erneut finanziell auszuhelfen.

Dieses aggressive Betteln hat mich dazu gebracht, daß ich niemand mehr mit Geld aushelfe, den ich nur flüchtig kenne. Menschen, die die Hilfsbereitschaft anderer mit zweifelhaften Geschichten für ihren Vorteil ausnutzen, handeln vielleicht nicht gegen Recht und Gesetz, hinrerlassen jedoch bei den Gutgläubigen ein unsauberes und zweifelhaftes Verhalten. Das geliehene Geld habe ich nicht zurück bekommen und sah den Mann seither nie wieder. 

Haben Sie auch etwas Ähnliches auf einem Friedhof erlebt?

Info zum Bild: Das Foto zeigt den im Text beschriebenen "Pechvogel", der nach eigenen Angaben sich mit Johnny Django Reinhardt vorstellte. Ich fragte ihn, ob er zustimmt, wenn ich seine außergewöhnliche Geschichte in meiner Internetseite über den Friedhof inklusiv einem Foto von seiner Person veröffentliche. Herr R. hatte dagegen nichts einzuwenden und stellte sich abermals für ein Foto (© Fester), diesmal außerhalb des Friedhofs an einem Tor in der Rat-Beil-Straße zum Ablichten in Pose.

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Historisches Nachschlagewerk

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Dienstag, 24. Oktober 2017
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