Beiträge und Meinungen

Meines Erachtens, ein Blog für Beiträge zum Thema Friedhof, Trauer, Friedhofskultur in Frankfurt am Main
Gravis

Kulturhistorischer Schaden im alten Teil erschreckt Bürger

me mausoleum2011 top 250x158

Besucher wundern die neuen Gruftaufbauten im "alten" historischen Teil des Hauptfriedhofs. Dieser Artikel ist hier zu lesen.
Die Dame nimmt erschrocken beide Hände vor ihr Gesicht, als sie das einem Funktionsbau ähnelten Gebäude als Grabstätte erkennt. Das vom Wortsinn her als Mausoleum (Ein Mausoleum ist ein monumentales Grabmal in Gebäudeform) zu bezeichnendes Gebäude fällt auf und hebt sich ab von den rund 900 erhaltenswerten, denkmalgeschützten Grabstätten.
Immer wieder Richtungswechsel ihres Blickes, links, rechts, das Dach, der Zaun, die Fenster - sie kann es nicht begreifen, was die Planer und Verantwortlichen diesem Standort zumuten.

Rechts neben dem neuen Mausoleums-Gebäude das 1927 von Bildhauer Prof. Friedrich Christoph Hausmann (1860-1936) geschaffene Grabmal für den Ehrenbürger Leo Gans (1843-1935), einem deutschen Chemiker und Industriellen mit Verdiensten als Mäzen und Förderer von Wissenschaft und Kultur in Frankfurt am Main, sowie Vorsitzender des Städelschen Museumsvereins.

Dem unpassenden Mausoleums-Neubau schräg gegenüber liegt die Gedenkstätte vom Industrieellen Arthur von Weinberg (1860-1943), Dr. med. h.c., Ehrenbürger und Stifter, sowie Ehrensenator der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main. Er war Teilhaber der Cassella Farbwerke Mainkur, Aufsichts- und Verwaltungsratsmitglied der I.G. Farbenindustrie AG. Arthur von Weinberg gehörte 1914 zu den Stiftern der Universität Frankfurt. Die Grabanlage ist ein Meisterwerk des Architekten Hermann Senf (1878-1979) aus dem Jahr 1922.

me mausoleum2011 01 250x166 me mausoleum2011 02 250x166 me mausoleum2011 03 192x166
Aufgebrachte Ornamente auf der weißen Haustür (Normgröße Eigenheim), zeigen den Wunsch auf, dem Anlass Trauer und Totenverehrung gerecht werden zu wollen.

In § 27 der Friedhofsordnung der Stadt Frankfurt am Main vom 20. Juli 2010 ist der Allgemeiner Gestaltungsgrundsatz festgeschrieben: "Jede Grabstätte ist so zu gestalten und an die Umgebung anzupassen, dass die Würde des Friedhofs in seinen einzelnen Teilen und in seiner Gesamtanlage gewahrt wird."

Das bisher namenlose Mausoleum neuerer Bauart ist aber nicht das einzige, mit dem sich der Friedhof neuerdings schmückt. Am Neuen Portal, linksseitig der großen begrünten Freifläche steht seit 2011 ein auffallendes, farbenfrohes Gebäude ähnlicher Bauart.

Leider kann sich nicht jeder Bürger/Friedhofsbesucher mit dieser neuen Friedhofskultur anfreunden.

Kritische Bürger sollen gemaßregelt werden (Leserzuschrift FNP vom 19.10.2011)

Zu "So bunt kann der Tod sein": Die Stellungnahme der Stadtverwaltung zur Bürgerkritik an der Entwicklung des Frankfurter Hautfriedhofes ist ebenso schlicht wie bösartig. Seit wann ist es in Frankfurt üblich, kritischen Bürger zu maßregeln? Ein Mitarbeiter aus der Friedhofsabteilung moniert, dass "Bürger im Stillen murren, anstatt sich zu erkundigen und den Dialog mit dem Amt zu suchen". Herr Thomas Linne, Abteilungsleiter, hat wohl vergessen, dass die Meinungsfreiheit grundsätzlich garantiert ist. Außerdem verkehrt er die Bürgerbeteiligung ins Gegenteil. Denn es wäre seine Aufgabe gewesen, vor der Errichtung der Gebäude-Fremdkörper, die Angehörigen der Verstorbenen anzusprechen und zu beteiligen, die in unmittelbarer Nähe bestattet sind. Dazu gehört im Übrigen auch der Magistrat, der zuständig ist für die nachbarlichen städtischen Ehrengräber. Jetzt den Dialog mit dem Friedhofsamt einzufordern, ist völlig sinnfrei. Die Gebäude stehen, und keiner kann jetzt wollen, dass sie beseitigt werden. Die Friedhofsabteilung hat das Recht, wenn sie auf die neue Friedhofsordnung hinweist. Danach sind u. a. Grabstätten "an die Umgebung anzupassen". Die Frage ist nur, weshalb hat sie gegen diese Vorschrift selbst verstoßen? Denn vor der Errichtung der Mausoleen waren weit und breit keine ähnlichen Gebäude vorhanden. (Claus Kosinski, per E-Mail)

 

btn me pfeil ab 33x33 

Artikel in: http://www.frankfurter-hauptfriedhof.de/mausoleum2011.htm